Reformationsfeier des Ev. Kirchenverbandes Köln
Am Samstag, 31. Oktober 2009, fand im Altenberger Dom die Zentrale Reformationsfeier des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region statt.
Näheres über diese Feier und die Mitwirkenden erfahren Sie aus diesem --> Infoblatt [826 KB]
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Die Festpredigt hielt Bischof Joachim Vobbe, Bonn, vom Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland.
Den --> Text der Predigt, einige --> Bilder von der Feier im Altenberger Dom sowie eine --> "Grundstein-Meditation" von Superintendent Dr. Bernhard Seiger finden Sie unten.
Predigt von Bischof Vobbe
Bitte beachten Sie: Die Predigt ist der besseren Lesbarkeit wegen auf drei Spalten verteilt.
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Predigttext (1. Kor. 3, 11):
"Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus."
Jedes Mal, wenn ich vom Bonner Hauptbahnhof aus in Richtung Süden fahre, komme ich nach etwa einer halben Stunde vorbei an einer von Deutschlands teuersten und gewaltigsten Investitionsruinen: Monumental erhebt sich über dem Rheintal der Kühlturm des Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich, das nie ans Netz gegangen ist. Es wurde nicht etwa Opfer eines heroischen Ringens zwischen Atomkraftbefürwortern und Atomkraftgegnern – es gab zwar solche Auseinandersetzungen auch hier – aber sie waren bei weitem nicht so heftig wie anderswo. Es wurde auch nicht Opfer eines Interessenkonflikts zwischen auswärtigen Betreibern und einheimischer Bevölkerung. Viele Einheimische hatten sich längst mit der Möglichkeit angefreundet, in dem nicht sehr attraktiven Bauwerk einen sicheren Arbeitsplatz zu finden. Es wurde auch nicht Opfer von Terrordrohung, Gewalt oder wenigstens einer politischen Entscheidung. Es war schlicht in einer nicht ganz erdbebenfreien Zone auf Sand gebaut worden und fiel so letztlich einem ganz undramatischen Gerichtsentscheid zum Opfer. Obwohl sonst mit den modernsten Sicherheitsstandards ausgerüstet, steht es nun da wie ein Hohn der unabänderlichen Naturgewalten auf menschliches Wollen. Der einzige Streit, der noch darum geführt wird, geht darum, ob man es lieber gleich ganz abreißen oder begrünen oder zum Teil eines Vergnügungsparks umwandeln soll.
Das Haus und die Qualität des Fundaments, auf die es gründet, wählt Paulus für sein Bild vom Bauwerk, mit dem er wohl die frühe Kirche meint. Der Vergleich enthält eine Lektion. Zunächst kann man feststellen: Auf die Qualität des Gebäudes kommt es hier nicht an, wie Paulus in der Fortführung seines Bildes betont. Jede und jeder baut mit seinen Materialien und seinen Fähigkeiten weiter daran. Ob Luxusvilla oder Holzhütte, ob Hochsicherheitstrakt oder Elendsbaracke, das Haus, von dem er redet, kann nur deshalb Bestand haben, weil sein Grund, sein Fundament tragfähig ist. Auf diesen Grund kommt es für alle an, die daran weiterbauen.
Im Frühjahr wurde über eine Krise beim Modellbahn-Hersteller Märklin berichtet. Diese Krise wurde auf wirtschaftliche Fehlentscheidungen zurückgeführt: Die Produkte seien zu hochpreisig, als dass Heranwachsende sie sich noch leisten könnten. Der Kundenstamm der Zukunft breche auf diese Weise weg. Doch das Ökonomische ist wohl nur ein Teil des Problems. Das kulturelle Umfeld hat sich gewandelt. Die Generation ICE, die Dampf und Rauch nur noch von der Museumsbahn her kennt, kann Eisenbahnromantik nicht mehr nachfühlen. Die Nebenstrecken, die liebevoll in Miniaturlandschaften eingebettet waren, verkörperten einen harmonischen Schwebezustand zwischen Tradition und Fortschritt. Dorf, Wiese, Busch, Lok und Kran – das vermittelte eine friedliche Symbiose von Natur und Technik. Mobilität, aber keine Hektik – Modernität, aber keinen Stress. Die Märklin-Landschaften vermittelten den Eindruck einer diesseitig herstellbaren heilen Welt. Das „ewige Leben” spielte sich allenfalls ab im Kreislauf der wiederkehrenden Züge. Auch wenn verfasste Religion im wirklichen Leben auf dem Höhepunkt der Modellbahn-Welt schon verblasste, gehörten zu ihr immer noch reichlich Kirchen, Kapellen und Gipfelkreuze. Doch diese Sehnsucht nach Ewigkeit war zurückgebogen aufs Zwergenformat, war nur noch dekorativ-architektonischer Bestandteil der auf Miniformat heruntergemendelten Pappmaché-Landschaft.
Für viele Leute von heute gibt es keinen Drang mehr nach draußen in die reale Natur und auch kein Bedürfnis mehr, diese abbildend heimzuholen. Vielmehr erschafft man sich neue Welten: Die Phantasie richtet sich per PC, Spielkonsole, Gadget und DSL auf das, was sein könnte. Die virtuellen Spiele haben die Virtualität der Lok-Landschaften längst übertrumpft. Kein Modellzug holt mehr ein, was an Träumen in den Computer-animierbaren digitalen Projekten der jungen elektronischen Weltreisenden schlummert.
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Fromme Menschen mögen in der menschlichen Fähigkeit zur Schaffung von solchen Phantasiewelten ein Abbild von Gottes Schöpferphantasie sehen. Allzu fromme Menschen mögen vielleicht auch vom Gegenteil überzeugt sein, und darin Teufelswerk erblicken – manche haben ja schon Angst vor Harry Potter. Ganz unabhängig davon bleibt jedoch unterm Strich die Erkenntnis: Der Grund, auf dem das alles ruht, der Schöpfer dieser Welten – der Märklin-Welt, der digitalen oder der Film-Welten – bin ich, ist der Mensch selbst. Grundlagen für solche Schöpfungen sind zwar Sehnsüchte, aber nur solche, die meine Phantasie befriedigen, nicht solche, die die Realität verändern helfen.
In die gefährlichere und ökonomisch noch fragwürdigere Grauzone zwischen Wirklichkeit und Phantasie dringt der Esoterik-Markt ein, auf dem sich jeder nach seinem Gusto mit Horoskop, Pendeln oder Kartenlegen bedienen kann, und es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn ein bezahlter Guru seinen Klienten nur Schlechtes verhieße.
Die eigentliche Frage ist: Auf welchen Grund verlasse ich mich, welchen Welten vertraue ich? Sind es die Welten, die von Menschen vorfabriziert sind, und die letztlich nur mein Ego bestätigen und pflegen, Welten, die mir angepasst sind und die mir gehorchen wie die Züge von Märklin, der Joystick der Spielkonsole oder die Wahrsagerin, die mir, günstigenfalls ohne dass ich es merke, nach dem Mund redet? Oder baut mein Leben auf einem Grund auf, mit dem ich helfen kann, die Welt zu verändern?
Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist in Jesus Christus. Was heißt das?
Auf Christus bauen heißt, auf eine Sehnsucht bauen. Wer auf Christus baut, erkennt, dass er stets mehr braucht, als er hat. Diese Sehnsucht lässt sich nicht stillen durch Phantasiewelten und spiritistische Sitzungen. Auf Christus bauen heißt, daran glauben, dass hinter dem Vorhang unserer Leiden und sogar unseres Todes ein Sieg des Lebens wohnt, und dass hinter dem Vorhang unserer irdischen Auseinandersetzungen und Kämpfe Gerechtigkeit und Liebe endgültig zu ihrem Recht kommen. Und: dass wir schon jetzt die Verpflichtung und die Verantwortung haben, aus diesem Sehnweh, dieser „brennenden Geduld” tätig zu werden und zu leben. Das meint Christsein, Kirchesein auch: Aus der Sehnsucht nach dem Grund, Christus, leben und Leben gestalten. Paulus fährt fort:
„Ob jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, Holz, Heu oder Stroh weiterbaut: Das Feuer (ich vermute, hier meint er das Feuer des HI. Geistes) wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt.” Auch Paulus muss also schon geahnt oder erfahren haben, dass sich aus mancher kirchlichen Aktion oder Verfassung am Ende nur ein Strohfeuerchen ergibt.
Darum hat es in der Kirchengeschichte auch immer wieder Versuche, Reformen, gegeben, sich direkt und ohne Zwischenhandel auf diesen Grund, Christus, zu beziehen.
Eine dieser Reformen war die Reform des Benediktinerordens, der als Zisterziensische Reform in die Geschichte einging. Die ersten Zisterzienser hatten Reformideale: Einfach sollte das mönchische Leben wieder sein, schnörkellos die Gottesdienste, klar und auf das Wesentliche ausgerichtet die Architektur der Kirchen. Zisterziensische Kirchen wie der Altenberger Dom haben keine Türme. Wessen Seelensehnsucht im Himmel festgemacht ist, der braucht keinen steinernen Turm dazu. Wichtig ist der unmittelbare Gottes- und Christusbezug im Schweigen, in Arbeit und Gebet.
Die Zisterzienser haben überdies bis heute eine sehr synodale Verfassung – das alles sind Anliegen, wie sie 400 Jahre später auch von den Reformatoren vertreten wurden. Insofern ist es reizvoll, dass die Geschichte so verlaufen ist, dass dieses Gotteshaus jetzt auch von einer evangelischen Gemeinde mit genutzt wird. Umso bedauerlicher ist es, dass diese Nutzung immer noch nach strengen Zeitfenstern geschieht, und nicht in Gestalt gemeinsamer Gottesdienste.
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Mit der Ökumene heutzutage ist es ja leider immer noch so wie mit dem älteren Ehepaar, das sich jahrelang immer wieder streitet. Eines Tages entschließen sich die beiden dann doch, gemeinsam zu einem Therapeuten zu gehen und ihn um Rat zu fragen. Der rät ihnen: „Ach, Sie müssen sich einfach mal was Gutes gönnen: Gehen Sie mal schön ins Kino. Danach gehen Sie noch gut essen, in ein richtig erstklassiges Restaurant. Lassen Sie sich verwöhnen mit einem mehrgängigen Menü, und anschließend trinken Sie noch eine gute Flasche Wein.“ Da sagt der Mann zu seiner Frau: „Mensch, das ist eine prima Idee, dann gehst Du am Mittwoch und ich geh am Donnerstag.”
Wenn wir Christen uns auf den gemeinsamen Grund beziehen, der gelegt ist in Christus, und wenn dieser Grund zugleich unsere Sehnsucht beschreibt, um wie viel mehr müsste dann gerade die Feier der Eucharistie, das Abendmahl, die Messfeier, einen Platz auf dem Weg der Kirche hin zum Ziel dieser Sehnsucht haben. Wer sensibel ist, erlebt doch bei jeder Eucharistiefeier die Differenz von Ideal und Wirklichkeit. Keine noch so gut gestaltete Abendmahlsfeier beschreibt das Reich Gottes in seiner Vollendung. Aber wenn gemeinsames Abendmahl erst möglich ist nach Klärung aller theologischen Fragen und den dazugehörigen Vereinbarungen, dann wird es erst möglich sein 14 Tage nach dem jüngsten Tag.
Im Johannesevangelium vergleicht sich Jesus als das Brot des Lebens mit dem Manna, das die Israeliten stärkte auf ihrem Weg durch die Wüste zum Ziel, dem Gelobten Land (Joh 6,31). Einige unserer Kirchenlieder nehmen dieses Motiv auf im Blick auf das Abendmahl, die Eucharistie. Gerade das Abendmahl, die Eucharistie, ist demnach auch ein Mahl, das uns zum Einssein stärkt auf unserem Weg als Kirchen. Wie denn könnten wir besser unsere Einheit im Grund, der gelegt ist, in Christus, und im Ziel, das er verheißen hat, dem Reich Gottes, bekunden? Gemeinsame Eucharistie kann und darf daher nicht erst ein Ideal sein für das Ende aller Tage. Ich bedaure in diesem Zusammenhang sehr, dass – offenbar wegen des schmalen Zeitfensters – keine gemeinsame Eucharistie möglich gewesen ist heute. Sie wäre ja nach evangelischem wie alt-katholischem Verständnis kein Problem, da wir ja seit fast 25 Jahren eucharistische Gastbereitschaft vereinbart haben. Spätestens in der ewigen Seligkeit gibt es keine nach Konfessionen getrennten Tische.
Morgen feiern wir in unseren Kirchen Allerheiligen. Das ist Ihnen fremd. Aber Sie würden sich wundern, wie weit man da gehen kann, wenn eine Kirche sich nicht an Heiligsprechungsprozesse von Glaubensbüros gebunden fühlt. Als wir noch alle eins waren im Glauben, vor tausend Jahren, gab's ja solche Büros noch gar nicht. Also singen wir Alt-Katholiken mit der ganzen Gemeinde bei der Allerheiligenlitanei neben Maria, Aposteln, Franziskus, Clara, Teresa, auch die Namen von Martin Luther, Dietrich Bonhoeffer, und auch von Edith Stein und Oskar Romero mit. Und wir rufen nicht „bitte für uns” – das klänge ein bisschen zu sehr nach „Hilf, St. Anna, ich will Mönch werden” und würde zu Martin Luther ja nun wirklich nicht passen; sondern wir singen aufrecht: „mit Martin Luther – preisen wir deinen Namen, mit Dietrich Bonhoeffer – preisen wir deinen Namen”, und so weiter. So dürfen wir uns hier und jetzt schon eins fühlen mit der Wolke von Zeugen, die ohne kirchlichen Zwischenhandel, und manchmal sogar in kritischer Distanz zur offiziellen Kirche auf gutem Grund standen. Das macht Mut.
Sturm und Beben in Gestalt der Säkularisation haben den Altenberger Dom zwar hin- und hergeschüttelt, aber nicht niedergerissen. Das zeugt von gutem Grund. Ohne mich damit zum Sinn oder Unsinn von Atomkraft äußern zu wollen – das ist hier nicht das Thema – werden Sie mir zustimmen, wenn ich sage: Kraftwerke, geistliche auch, auch das Kraftwerk Kirche, gehören auf festen Grund gebaut. Wenn mich einer fragen würde, was mit dem Kraftwerk in Kärlich zu geschehen hätte: Ich wäre für den Abriss. Ein Kraftwerk, das gar keines ist, ist nicht unbedingt ein ästhetischer Blickfang. Die Begrünung verschleiert nur einen hässlichen Tatbestand, der Vergnügungspark würde aus dem architektonischen Monstrum ein lächerliches Etwas machen. So auch das Kraftwerk Kirche: Eine Kirche, die nur auf dem Grund selbst erfundener Gesetze existiert, taugt auf Dauer zu nichts. Kirche taugt auf Dauer nicht als ein obsoletes Rechtskonstrukt aus vergangenen Tagen, sie taugt nicht nur als bemoostes Objekt für die religionsgeschichtliche Forschung, sie taugt aber auch nicht nur als Vergnügungs- und Eventpark, der den ohnehin zahlreichen Vergnügungsmöglichkeiten heutiger Zeit noch eine Art zeremonielles Sahnehäubchen aufsetzt. Wir treten schon auf mit dem Anspruch, Sinn stiftendes, Kraft spendendes Zeichen Gottes zu sein, gut fundiert, eine Option nicht nur „aus gutem Grund”, sondern auf gutem Grund.
Die Predigt von Bischof Vobbe als PDF-Datei zum --> Download [113 KB]
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Bilder von der Reformationsfeier
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Grundstein-Meditation (Dr. Bernhard Seiger)
Liebe Gemeinde,
am liebsten hätten wir Ihnen als Erinnerung an diesen Tag einen Stein vom Altenberger Dom mitgegeben. Aber das wäre logistisch schwierig geworden, und für den Dom wäre es auch nicht gut gewesen. So haben wir uns auf eine Karte mit Steinen beschränkt. Sie haben Sie am Eingang bekommen. Sie weckt Assoziationen.
Ganz hier in der Nähe, im Küchenhof, 100 Meter entfernt, gab es den Sommer über eine Ausstellung über den mittelalterlichen Baubetrieb in Altenberg. Werkzeuge und Techniken sind dort ausgestellt gewesen, die erkennen lassen, mit welcher Kunstfertigkeit die Baumeister vor 750 Jahren dieses großartige Gotteshaus errichtet haben.
Damit ein Bau wie diese Kirche entstehen kann, braucht es eine Vision, genaue Pläne, es braucht den Geist und es braucht die Menschen, die ihr Handwerk verstehen.
Es geht heute um das Fundament, das uns trägt im Glauben und Leben. Paulus hat Christus mehrfach mit einem Stein oder Eckstein verglichen, der trägt.
Ich lade Sie ein, sich auf eine Meditation einzulassen. |
Vieles am Bau eines Hauses gleicht dem, was wir in unserem Leben erfahren. Auf dem ersten Bild sehen wir, wie ein Stein nach alter Tradition in einem Steinbruch gewonnen wird. Mit einem Zweispitz wird die Grundform eines Quaders aus dem Fels geschlagen. Das Grundmaterial für den Bau wird so in mühevoller Arbeit einzeln aus dem Boden gewonnen.
Das Grundmaterial – Was ist das Grundmaterial unseres Lebens?
Es ist das Leben, das uns vom Schöpfer gegeben ist. Er war da, bevor wir selber etwas hervorbringen konnten.
„Es war dir mein Gebein nicht verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde.“(Ps.139,15)
Alles, was wir mit unserer Liebe, mit unserer Arbeit und unserem Einsatz für andere erreichen können, geschieht mit dem Material, das Gott vor uns möglich gemacht hat. Leben, Atem, Geist und Gefühl. Das Material, aus dem unser Leben entsteht: Es ist all das, was wir in unseren Familien als Kinder und Jugendliche erlebt und aufgenommen haben, Segensreiches und Schwieriges.
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Das zweite Bild zeigt einen fertigen Quader. Mit Spitz- und Schlageisen ist der Stein in eine gute Form gebracht.
Wenn wir unser Werden mit einem Stein vergleichen, dann haben andere uns bearbeitet. Eltern, Lehrer, Weggefährten, Partnerinnen und Partner. Sie haben uns eine Form gegeben, so dass wir so sind, wie wir sind und einen Beitrag in der Gemeinschaft leisten können.
En wichtiger Unterschied zum Stein besteht darin, dass wir mit beeinflussen, was wir wie an uns heranlassen.
Und doch lohnt es, sich zu fragen: Wer hat Dich bearbeitet, wer hat sich Zeit für Dich genommen und Dich mit zu dem geformt, der Du bist, so, dass Du heute hier bist? Wo war Gott in dem, was dich geprägt hat? |
Das dritte Bild zeigt eine Säulenbasis. Kunstvoll bearbeitet mit einem Profil. Diese Basis trägt eine Säule, so wie es in diesem Dom Säulenbasen gibt, die das Gebäude aufbauen und tragen.
Unser Leben baut auf auf dem Wirken anderer. Wir stützen uns auf das, was andere vor uns gedacht und geschaffen haben.
Andere haben die Grundlage gelegt für das, was wir tun im Alltag, in unseren Familien und in unseren Gemeinden. Und so sind wir selber hier und da so etwas wie eine Säulenbasis für andere geworden. Das Fundament trägt uns und andere. Auch wenn wir es in der Regel nicht sehen, es ist da. Es liegt tiefer.
Ohne ein solides Fundament kann nichts gelingen und Bestand haben. Ein guter Fundament-Stein ist nicht spektakulär oder golden glänzend, aber er ist voller Kraft.
Bernhard Seiger