Predigt im Altenberger Dom

Predigttext 1 Kor 15, 19 – 28

19 Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.
20 Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.
21 Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten.
22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
23 Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören.
24 Danach kommt das Ende, wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft vernichtet hat und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt.
25 Denn er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter die Füße gelegt hat.
26 Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod.
27 Sonst hätte er ihm nicht alles zu Füßen gelegt. Wenn es aber heißt, alles sei unterworfen, ist offenbar der ausgenommen, der ihm alles unterwirft.
28 Wenn ihm dann alles unterworfen ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott herrscht über alles und in allem.


Ein Mann betritt eine Buchhandlung. Er sucht, bis sich eine Verkäuferin seiner erbarmt. "Kann ich Ihnen helfen? Was suchen Sie, bitte?" "Ich möchte eine Lektüre für einen Kranken." "Etwas Religiöses?" fragt die Verkäuferin. Der Mann erschrickt und wehrt ab:"Nein, nein, es geht ihm schon besser."

Liebe Gemeinde,

wozu hilft der Glaube? Zum besseren Sterben oder zum besseren Leben?
Vor Ostern gibt es jede Menge Umfragen. Allgemeine und speziell österliche. Konfirmanden halten Pontius Pilatus für eine seltene Krankheit und gute Kirchgängerinnen sind ganz sicher, dass die Auferstehungsbotschaft im Evangelium nach Nepomuk zu finden ist. 30% der Befragten glauben an ein Weiterleben nach dem Tod, weitere 30 %, dass mit dem Tod alles aus ist, eine weitere Gruppe ist von der Unsterblichkeit der Seele überzeugt. Was glauben Sie? Mit welcher Freude, welcher Hoffnung sitzen Sie heute morgen hier im Dom?

Vielleicht ist es die Freude über das Erwachen der Natur, die bunten Blumen und Eier, die Leckereien im Osterkorb. Zum Festtag gehört Musik, die Begegnung mit anderen festlich gestimmten Menschen. Vielleicht sind Sie hier, weil Sie sich vergewissern wollen: das Herzstück unseres Glaubens ist die Auferstehung Jesu von den Toten. Mit dem Tod ist nicht alles aus. Davon erzählen und singen wir zu Ostern.

Schwierig. Auferstehung der Toten, wie soll man sich das vorstellen? Spazieren die Toten einfach umher, wie unerlöste Zombies? Oder ist es so, wie viele glauben: der Körper zerfällt, die unsterbliche Seele fliegt zu Gott.

Schon in der frühen Christenheit gab es darüber die wildesten Vorstellungen und Diskussionen. Der Apostel Paulus ist nicht ganz unschuldig daran. Er predigt, gründet neue Gemeinden und entschwindet dann. Und dann sollten die Menschen in Ephesus, in Korinth und sonst wo zusehen, wie sie mit dem neuen Glauben zurecht kommen. In Korinth gab es schon bald Zweifel an der Auferstehung. Hatte Paulus nicht gepredigt, durch die Taufe würde man ein neuer Mensch, einer der im Hier und Jetzt das Leben in vollen Zügen auskosten soll? Und so stürzten sich die Korinther ins Chaos. Vergangenheit, Zukunft, Regeln, nichts galt mehr. „Wir sind so frei“, wurde zu ihrer Devise. Paulus war geschockt. Deshalb schrieb er erklärende Briefe, aus denen unser Predigtext für heute entnommen ist. Aber besonders leicht macht er es den Menschen damals und uns heute auch nicht, seinen Gedanken zur Auferstehung zu folgen.

Er fängt bei Adam und Eva an. Beim ersten Menschenwesen, dass Gott aus Erde – adamah – geschaffen hat. Die Menschen trennen sich von Gott, ihrem Ursprung, und diese Trennung begrenzt ihre Lebenszeit. Sie müssen früher oder später zur Adamah, zur Erde zurückkehren. „Von Erde bist du genommen und zu Erde sollst du werden.“ Das wird bis heute am Grab gesagt. Seitdem gibt es den Tod in unserem Leben.

Geboren werden und sterben, von der Erde, zurück zur Erde. Aber nicht alle Menschen sterben alt und lebenssatt. Hunger, Gewalt und Krieg betrügen viele um die Fülle des Lebens. Ihr Leben ist schon zu Ende, bevor es richtig begonnen hat. Je größer das Elend, desto größer die Angst. Mit der Angst ums Leben wächst auch die Angst vor dem Tod. Die Erde war nicht länger beschützender Urgrund. Das Dunkel des Grabes, bedrohlich und undurchdringlich, wie alle Ängste unseres Lebens, die wir lieber verdrängen als sich ihnen zu stellen.

Das Leben soll schön sein, süß und bunt wie ein Osterei. Die Abgründe und Ängste versuchen wir in die Tiefe unserer Seele zu verbannen. Und hoffen, dass wir sie dort vergessen können. Mit manchem mag das auch klappen, aber der Dunkelheit des Grabes können wir nicht entrinnen. Deshalb blenden viele Menschen den Gedanken an ihren Tod aus.

Paulus drückt sich im Korintherbrief drastisch aus: Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Merkwürdig, dass er sich hier so kriegerisch ausdrückt, wo doch Krieg und Gewalt so viel Leid über uns Menschen bringen. Ich glaube, Paulus greift zu starken Bildern, um in uns eine starke Hoffnung zu wecken. Trotz vielem, was unser Leben bedroht. Oder gerade deswegen!

Die Osterbotschaft geht nicht an den Dunkelheiten unserer Welt vorbei. Die unzähligen Kreuze in der Welt sind Realität. Jesus selbst ist den Dunkelheiten nicht ausgewichen: er ist mitten hineingegangen, zu den Leidenden, in den Tod. Gott hat sich mit leidenschaftlicher Liebe an unsere Welt gebunden, mit ihrem Licht und ihren Schatten. Aber die Dunkelheit hat ihn nicht verschlungen: der Hingerichtete, der dem Vergessen anheim Gegebene, ist nicht tot geblieben. Ist auferstanden in den Glauben seiner Freundinnen und Freunde. Der Auferstandene erschien den Frauen nicht als Geist, sondern leibhaftig, davon erzählt uns die Bibel. In Gott bewahrt bleiben, heißt also ganz und gar, Leib und Seele, Haut und Haar.

Und weiter: Wäre Christus nicht auferstanden, dann gäbe es das Christentum gar nicht. Wenn es nicht Ostern geworden wäre an jenem Morgen in Jerusalem, dann wäre das Reden und Wirken dieses Jesus von Nazareth genau so vergessen wie das der anderen ungezählten Wanderprediger aus jener Zeit.

Sein Tod und seine Auferstehung sind als Hoffnungszeichen bis heute geblieben. Viele Menschen haben auf diese Hoffnung ihr Leben und ihren Mut gegründet. Der Tod bleibt in der Welt. Aber Gottes Versprechen, festgemacht in der Taufe, gilt: der Tod ist nicht das Ende. Und alle unsere Toten sind bei uns. Hineingenommen in diese Hoffnung.

Liebe Gemeinde, Ostern ist kein harmloses Häschen- und Blümelein-Fest; obwohl das alles zu unserer Freude dazu gehören soll. Ostern ist die Kampfansage an die Mächte des Todes. Das Herzstück unseres Glaubens. Bis heute gilt: Tod, wo ist dein Sieg? Und: Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.

Amen