Liebe Gemeinde,
manchmal hat man das Gefühl, alles ist umsonst gewesen. Das Engagement, der Einsatz – alles vergeblich. Gebete blieben unerhört, Hoffnungen unerfüllt. Ja, so ist das. Da reden wir, organisieren, planen, säen ... und nichts passiert, nichts ändert sich, jedenfalls nichts Wesentliches. Unsere Arbeit wie unsere Gebete um Gerechtigkeit, um Frieden, um Bewahrung der Schöpfung – sie scheinen ungehört im Universum zu verhallen.
Vieles von dem, was wir zu tun versuchen, also an Samen ausstreuen, fällt auf den Weg, auf Felsen, zwischen Dornen. Und um das andere, das Wachsende, das Gelingende zu sehen, fehlt Zeit oder auch die Geduld.
So geht es wahrscheinlich vielen mit ihrer Lebensarbeit, auch auf anderen Äckern. Der Lehrerin etwa, die versucht, ihren Schülerinnen und Schülern Wichtiges und Nützliches fürs Leben zu vermitteln. Der Ärztin, die ihre Patienten über die Folgen eines gesundheitsschädlichen Lebenswandels aufklärt. Der Ingenieurin, die kostspielige, aber umweltschonende Verfahren einführen will. Der Lokalpolitikerin, die mit ihren Ideen ausgebremst wird. Müttern und Vätern, die ihre Kinder auf einen guten Weg bringen wollen. Was letzten Endes daraus wird, ob es Frucht bringt oder ob unsere Bemühungen vorzeitig versanden oder erstickt werden von den Umständen, oder abprallen auf dem harten Boden – wir haben es nur teilweise in der Hand.
Wir können nur säen, wie der Bauer, der zur richtigen Zeit über sein Feld geht und nach bestem Wissen sein Werk tut. Ob etwas daraus wird, entscheidet nicht allein unser Fleiß oder unsere Planung oder sonst etwas, das in unserer Hand liegt, sondern die Umstände des Ortes, der Zeit und oft auch das Entgegenkommen derer, die zugleich mit uns unterwegs sind auf den Äckern und Feldern unseres Lebens.
Bis jetzt passt das Gleichnis vom vierfachen Acker – Weg, Fels, Dornen, fruchtbares Land – auf jeden Lebenszusammenhang. Wo ist darin frohe Botschaft, Evangelium? Lukas beschreibt ja nur, wie es eben ist im Leben: Dass nicht alles gelingt. Wie es in einer alten Schlagerweisheit heißt: “Im Leben geht mancher Schuss daneben ...“
Aber gerade im Alltäglichen liegt Hoffnung und Ermutigung! Sicher, vieles erscheint im Rückblick als fruchtlose Mühe. Aber das, was Frucht bringt, ist dann geradezu überwältigend! Jesu Gleichnis sagt: „Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht.“
Das könnte doch bedeuten: Du darfst verschwenderisch sein, denn das, was dann tatsächlich auf fruchtbaren Boden fällt, das wirkt in einer Weise, die alle Verluste, alle Mühe, alle Frustration und Enttäuschung wettmacht.
Denn es liegt nicht am Sämann, ob er Erfolg hat, und es liegt auch nicht an dem, was er ausstreut. Wenn es nur auf den richtigen Boden fällt, dann bringt es ja hundertfache Frucht. Und etwas – einiges – sagt die Bibel, fällt auf diesen richtigen, fruchtbaren Boden und wird Frucht bringen. „Wer weiß, wozu es gut ist", sagte meine Großmutter und verstand es damit, noch aus der Niederlage etwas Postives herauszuholen.
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Wer weiß, wozu es gut ist: Wir brauchen also nicht zu resignieren: Unsere Gebete und Gedanken sind nicht umsonst, die jedenfalls nicht, die auf dem Wort und der Verheißung Gottes gründen. Gottes Wort, einmal ausgestreut, setzt sich durch, wirkt Glauben, hat Früchte. Nicht alles und zu aller Zeit und überall. Aber einiges fiel auf fruchtbares Land und brachte hundertfältig Frucht. Das heißt: Gott wirkt mit seinem Wort durch uns. Bewirkt Hoffnung, Veränderung, Heilung. Darin liegt für alle Zeiten und auch heute eine großartige Verheißung.
Es liegt nicht am Sämann, es liegt auch nicht am Saatgut, das da ausgesät wird, ob etwas Frucht bringt oder auch nicht. Nun sind wir nicht alle nur Säende, Ausstreuende, das Evangelium Weitersagende, wir sind auch Hörende, Empfangende. Und uns, den Empfangenen wird hier gesagt: Auf dich, Ackerboden, kommt es an.
Da gibt es die Ungläubigen. In der Tat gibt es Menschen, die für die Worte des Glaubens unerreichbar zu sein scheinen, an denen alles abperlt wie Regen von einer Öljacke.
Da gibt es die Schwachen. Die Saat fällt dorthin, wo nur eine dünne Erdkrume den steinigen Untergrund überdeckt, so dass, was aufgeht, nicht einwurzeln kann. Gefragt ist der religiöse „Gemischtwarenladen“: Ein bisschen Gospelchor, Feng-Shui, Schweige-Exerzitien, Gebetsmühle.
Da gibt es die Erstickten. Diese Samenkörner fallen zwischen dorniges Gestrüpp, ins Unkraut. Dieser Same geht wohl auf, schlägt auch Wurzeln, und wird dann doch am Wachstum gehindert durch die anderen Pflanzen, die schneller wachsen und Luft und Licht und Wasser rauben.
Es gibt aber Menschen, die leben das, was sie glauben und glauben das, was sie leben. Bei ihnen ist Gott zu Hause, geschieht Glauben in Wort und Tat. Ihre dafür notwendige Haupt-Tugend nennt Lukas die Ausdauer, die Geduld, das Durchhaltevermögen. Der Ort, an dem das Wachsen und Reifen dieser großen Ernte geschieht, ist das Herz. Lukas nennt es fein und gut. Glaube ist nicht nur Kopf und Verstand, nicht nur Gefühl, sondern trifft und betrifft uns als ganze Menschen im Zentrum unserer Person, im Herzen.
Wo sind wir, liebe Gemeinde heute, am 15. Februar? Wie ist es um unseren Glauben bestellt?
Ein platt getretener Weg, auf dem nichts wachsen kann, von Sorgen und Zukunftsängsten erstickt? Oder so stark, als könnte mein Glaube Berge versetzen? Leben ist Wandel und Verwandlung. Das Leben kann uns mit guten oder schlechten Ereignissen so durchrütteln und umpflügen, dass wir ganz anders werden können. So mag doch – Gott vermag viel, mehr als wir uns träumen lassen – auch da, wo es heute ganz traurig und unfruchtbar auszusehen scheint, zu anderen Zeiten etwas Wunderbares wachsen. Mit Geduld, mit langem Atem werden wir es erleben.
Amen
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